Präsentation der »Urinale 2015«-Datenerhebung

– 4. März –

Am 4. März 2016 präsentierten wir den Medienvertretern auf einer Pressekonferenz in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin die Ergebnisse der Urinale.
Vom Podium sprechen Michael Álvarez Kalverkamp (Pressesprecher Heinrich-Böll-Stiftung), Johannes Heimrath (Bürgerinitiative Landwende), Prof. Monika Krüger (BioCheck), Harald Ebner (Grüne), sowie Dr. Peter Clausing (Toxikologe) und Ute Scheub (Autorin, Journalistin).

Der Live-Mitschnitt der Pressekonferenz kann hier angehört werden.
Die Konferenz steht hier als Download zur Verfügung.

»Wissenschaftlich inakzeptabel«

– 1. Dezember –

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, spitzt sich der Streit um das Breitbandherbizid Glyphosat weiter zu. Nachdem die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den Stoff vor Kurzem als »wahrscheinlich nicht krebserregend für Menschen« einstufte, hat sich in Reaktion darauf eine Gegenbewegung in der Wissenschaft formiert. 96 internationale Forscher unterzeichneten einen offenen Brief an EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis, in dem sie schwere Vorwürfe gegen die EFSA als auch gegen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erheben.

Die Wissenschaftler bewerten sowohl die Analyse des BfR als auch die darauf aufbauende Bewertung der EFSA als schwerwiegend mangelhaft. Kritisiert wird von den Forschern etwa die Wertung von Tierversuchen. Das BfR habe sich auf ältere Studien berufen, um die Vielzahl von Tumorfunden in neueren Studien zu relativieren. Dieser Rückgriff auf „unpassende historische Daten“ in „falscher Art und Weise“ sei unter „Missachtung einschlägiger OECD-Richtlinien“ geschehen. Schließlich fordern die Wissenschaftler in ihrem Schreiben die EU-Kommission auf, bei ihren Entscheidungen „die fehlerhafte Bewertung der EFSA nicht zu beachten“.

Die Unterzeichner stammen aus 25 Ländern von renommierten Forschungseinrichtungen, wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das Krebsforschungszentrum Heidelberg, die Leibniz-Gemeinschaft, das italienische Collegium Ramazzini sowie Universitäten in den USA, Australien, Japan und anderswo. Sie betonen, dass sie für sich selbst sprechen, nicht für ihre Institutionen. Koordinator des Briefes ist Professor Christopher Portier, einer der früheren Direktoren des US National Toxicology Program (USA). Portier gehört zu den Forschern, die Glyphosat im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und deren Krebsagentur IARC bewertet haben. Im Frühjahr hatten diese den Wirkstoff als „wahrscheinlich krebserregend für Menschen“ eingestuft.

Das Pestizid Aktions-Netzwerk PAN appelliert an die EU-Kommission, das Krebsrisiko endlich anzuerkennen:
»Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertete den Herbizid-Wirkstoff Glyphosat in seiner „Conclusion“ als nicht krebserregend. Diese Bewertung erfolgte unter Missachtung einer erdrückenden Beweislage aus Studien, die von der EFSA selbst als valide anerkannt wurden. PAN Germany hat einen Teil der EFSA Conclusion einer gründlichen Analyse unterzogen und belegt Punkt für Punkt, dass die EFSA Erkenntnisse ihres eigenen Bewertungsberichts ignoriert.«

Verwendung von Glyphosat in der Landwirtschaft

– 24. November –

Ein Diskussionsbeitrag aus Sicht einer Betroffenen

Bei einer Untersuchung meines Urins am 10.11.2015 im Rahmen der »Urinale« durch das Labor BioCheck GmbH wurde eine Glyphosat-Belastung von 0,73 Mikrogramm/Liter festgestellt.

In der Europäischen Grundwasserrichtlinie (Richtlinie 2006/118/EG) gilt für Belastungen durch einzelne Pestizide ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm/Liter (bzw. 0,5 Mikrogramm/Liter für die Summe aller Pestizide). Bei mir wurde nur ein einzelnes Herbizid untersucht. Dies allein überschreitet den o.g. Grenzwert um mehr als das Siebenfache.

Bei einem Grenzwert in einer EU-Richtllinie geht man davon aus, dass dieser auf einer wissenschaftlichen Grundlage festgelegt wurde, in diesem Fall also bei höherer Kontamination eine Gesundheitsgefährdung nicht auszuschließen ist. Eine siebenfache Belastung nur mit Glyphosat ist deswegen besorgniserregend, weil man annehmen muss, dass es wie gewöhnlich in Kombination mit anderen Zusatzmitteln ausgebracht wurde und bei entsprechender Analyse weitere Pestizide gefunden worden wären, die dessen toxische Wirkung gefährlich potenzieren. Allein AMPA als sein Metabolit hat seine eigene Giftigkeit.

Die Suche nach den Ursachen lässt mich zunächst an eine Belastung durch Glyphosat in Lebensmitteln denken. Allerdings ernähre ich mich fleischlos und vorwiegend biologisch, was Brot, Milchprodukte, Gemüse und Obst umfasst. Eine so deutliche Kontamination ist damit nicht erklärt. Das Gleiche gilt für die dermale Aufnahme, da ich Reinigungsmittel und Körperpflegeprodukte ebenfalls aus dem Bioladen verwende. Bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, dass ich Glyphosat inhaliert habe. Über diese Eintragungsmöglichkeit gibt es in Deutschland kaum Untersuchungen, Langzeitstudien und Parameter, jedoch immer mehr empirische Beobachtungen und einen Verdacht, den ich nicht ausschließen kann:

Vor meinem Grundstück in Stabeshöhe, Uckermark, liegt ein riesiges Feld, auf dem Jahr für Jahr Mais oder Raps angebaut wird. Dieser Acker wird immer wieder gespritzt mit Fungiziden, Herbiziden, Insektiziden, Halmstabilisatoren. Dies in unterschiedlichen Kombinations-Präparaten und unter fantasievollen Namen, sei es »Roundup«, »Trinity«, »Plenum« etc. Laut anerkannter wissenschaftlicher Studien ist die inhalative Toxizität bis zu 1000x höher als etwa über die orale Aufnahme. Einer Inhalation dieser Mittel auszuweichen ist unmöglich, es sei denn mit Atemschutzmaske über Tage, wenn gespritzt wird. Pendimethalin beispielsweise, 50%iger Bestandteil der Formulierung von »Trinity« verbreitet sich durch hohen Dampfdruck kilometerweit über die Luft. Dieser giftigen Abdrift bin ich ausgesetzt sowie der anderer Kombi-Präparate auch. Ich kenne mich nicht aus, wie und wo inhalierte Pestizide sich im Körper anreichern, zum Beispiel in der Leber. Dass sie verstoffwechselt werden, steht indessen fest, ein Beispiel ist deren Nachweis in der Muttermilch. Damit ist die übliche Beschwichtigung, sie würden sofort wieder ausgeschieden, nicht überzeugend. Was ich aber weiß ist, dass meine Nachbarin am anderen Ende des Ackers jedesmal, wenn gespritzt wird, Asthma-Anfälle bekommt. Ärzte sind auf diesem Gebiet noch ratlos, gleichwohl kommen immer mehr Patienten mit Autoimmunerkrankungen, die sich nicht erklären lassen. Hilflos wird Cortison verabreicht.  Bei mir ist es vorerst nur ein chronischer Husten, welchen ich als Nichtraucherin auf die Abdrift vom Acker zurückführe. Denn die sogenannte gute Landluft ist inzwischen alles andere als gesund, da sie eine Fülle giftiger Aerosole enthält.

Die Toxizität von Glyphosat für Wildtiere ist weltweit bestens dokumentiert. Ein Indikator für seine Wirkung, zusammen mit anderen giftiger Ackerchemikalien, ist die Tatsache, dass auch bei uns mittlerweile fast alle Ackerlebewesen verschwunden sind, seitdem gespritzt wird, wie unterirdische Pilzgeflechte, Kleinstlebewesen, Regenwürmer, Insekten und Bienen, Frösche, Vögel. Tiere kommen aber auch über die Haut in Berührung mit den systemisch über die Pflanzen verteilten Wirkstoffen und trinken die giftige Brühe, die in die tief liegenden Sölle fließt. Deshalb gibt es bei uns kaum noch Amphibien, die sehr empfindlich auf Glyphosat reagieren. Die Ausrottung unserer Tiere und Pflanzen vollzieht sich dazu in einem als Schutzgebiet ausgewiesenen Flurstück für Flora und Fauna (FFH), zu welchem auch der Acker vor meiner Haustür gehört. Das muss man sich mal vorstellen: in diesem »Schutzgebiet« wird alles getötet, was nicht Ertragspflanze für den Landwirt ist. Zudem wird den Tieren durch die Vernichtung aller Ackerwildkräuter die Nahrung entzogen, weswegen sie verhungern. Welch eine unglaubliche Verhöhnung des FFH-Schutzes, und die Umweltämter schweigen dazu.

Nun: ich muss den Mais nicht essen, anfassen tu ich ihn lieber auch nicht, aber ums Einatmen der Ackergifte komme ich nicht herum.

Deswegen veröffentliche ich meinen Laborbefund von 0,73 Mikrogramm Glyphosat. Ich vermute, dass die bei fast allen Probanden nachgewiesene erstaunliche Kontamination mit Glyphosat zu einem nicht unerheblichen Teil durch Inhalation über Abdrift toxischer Aerosole verursacht wird.

Nach allem, was wissenschaftliche Studien belegen, sind bereits minimalste Dosen giftig, wenn sie über einen längeren Zeitraum aufgenommen werden. Die Behörden sehe ich in der Pflicht zu handeln nach § 13 des Pflanzenschutzgesetzes, nämlich einer möglichen Gefährdung von Menschen, Umwelt und Tieren entgegenzuwirken durch ein vorsorgliches Verbot der Freisetzung von Ackergiften. Weltweit häufen sich erdrückende Indizien sowohl aus der Bevölkerung als auch von Wissenschaftlern, dass Menschen und Tiere davon krank werden. Unsere Behörde entledigt sich ihrer Verantwortung stets durch den routinemäßigen Verweis auf die »gute fachliche Praxis«, durch deren ordnungsgemäße Anwendung keine Gefährdung bestehe. Welch ein Unsinn ! Ob man nun ordentlich oder unordentlich spritzt: Fakt ist, dass Chemiegifte nicht auf den lebendigen Organismus Acker gehören, weil sie dessen Biologie zerstören. Sie kontaminieren den Boden und das Wasser, aber auch die Luft. Das tun sie auch dann, wenn sie ganz »bestimmungsgemäß« ausgebracht werden, was bei uns ohnehin nicht kontrolliert wird. Glyphosat als Totalherbizid hat dabei die klare Bestimmung, alles an Pflanzen abzutöten, was nicht die Ertragspflanze ist. Genau so klar ist, dass ein glyphosathaltiges Pflanzenschutzmittel, welches wie Roundup ursprünglich mal als Rohrreiniger patentiert wurde, im Körper von Menschen wie auch in meinem wirklich überhaupt nichts zu suchen hat.

Vor diesem Hintergrund ist es mir absolut unverständlich, dass die sogenannte TASK-Force (Industrievertreter, die die deutschen Behörden wie BMEL, BVL, BfR usw. beraten) die Weiterzulassung von Glyphosat nicht nur empfohlen, sondern die ADI (Accepable Daily Intake) noch von 0,3 auf 0,5 Milligramm/Kilogramm Körpergewicht heraufgesetzt hat. Demnach ist es beispielsweise für eine Person von 60 Kilogramm unbedenklich, täglich 30 Milligramm Glyphosat über Speisen und Getränke aufzunehmen. Angenommen, das seien inklusive Getränke drei Kilogramm, bedeutete dies eine akzeptierte Belastung der Nahrung von 10 000 Mikrogramm/Kilogramm gegenüber 0,1 für Grundwasser.

Warum dürfen Nahrungsmittel derartig hoch belastet sein, wenn Grundwasser bereits ab 0,1 Mikrogramm/Liter bedenklich ist? Wieso ist der eine Grenzwert 100 000 mal höher als der andere? Wie kann es angehen, dass zum Beispiel der EU-Grenzwert für Weizen bei 10 000  und für Soja bei 20 000 Mikrogramm/Kilogramm liegt?

Ich ziehe daraus folgende Schlüsse: Grenzwerte werden offenbar recht willkürlich festgelegt. Ein Prinzip ist dabei erkennbar: Grundwasser ist (noch) Allgemeingut und genießt daher einen adäquaten Gesundheitsschutz von 0,1 Mikrogramm Pestizid/Liter. Sobald jedoch an der Nahrungsmittelproduktion kräftig verdient wird, hört die Sorge um die Gesundheit ganz schnell auf, da darf die »akzeptierte Belastung« auch gern höher sein, nicht nur zehnfach oder hunderfach, sogar 100 000 mal so hoch. Beim Anbau von Mais für die Ethanolproduktion, der bei uns andere Feldfrüchte wie Rüben, Kartoffeln, Weizen etc. flächendeckend vertrieben hat, endet jeder Schutz: was schert uns der Acker, was scheren uns die Tiere. Und was Menschen angeht: eine Kausalität zwischen Exposition des Giftes und Ausbruch einer Erkrankung nach Jahren wird man nie nachweisen können. Ein sicheres Geschäft.

Nach meiner jahrelangen Erfahrung im Kampf gegen Glyphosat handeln Gesetzgeber und Bundesbehörden unmündig und grob fahrlässig, indem sie beharrlich das gesetzlich verpflichtende Vorsorgeprinzip missachten. Die alarmierenden Berichte von betroffenen Menschen wie mir, aber auch die unabhängiger Wissenschaftler werden ignoriert, bagatellisiert, diskreditiert. Vielmehr sehen sich die Zulassungsbehörden den Wünschen der Agrar- und Chemiekonzerne verpflichtet, die sie folgerichtig auch als ihre »Kunden« bezeichnen. Sie denken gar nicht daran, diese außerordentliche Gefährdung von Mensch und Natur zu unterbinden. Wenn man nicht Korruption annehmen will, dann zumindest verantwortungslosen Wahnsinn.

Sybilla Keitel

»Wir lassen uns nicht weiter vergiften!«

– 17. November –

In Kooperation mit der Kampagne »Ackergifte? Nein danke!“ engagiert sich die Bio-Supermarktkette basic aktiv gegen den Einsatz von Glyphosat. Ab dem 16. November bis Mitte Dezember werden in ihren 33 Filialen – die deutschlandweit in Städten wie München, Berlin, Köln, Dortmund, Hamburg anzufinden sind – unsere Urinprobensets zur Verfügung gestellt, welche zur Untersuchung auf Glyphosatrückstände in ein Labor in Leipzig eingeschickt werden. Wie auch bei der Urinale kann hier gegen einen Unkostenbeitrag in Höhe von 53,55€ inkl. MWSt. das Testergebnis per Post erhalten werden. Die Teilnehmer*innen erfahren so nicht nur, ob Sie – unverschuldet – das Gift im Körper tragen, sondern engagieren sich automatisch gegen eine Neuzulassung des Pestizids. Die anonymisiert gesammelten Daten werden zu einer statistischen Erhebung zusammengefasst, welche wissenschaftlich einwandfrei die Belastung der Bevölkerung hierzulande beziffern soll – eine längst überfällige Untersuchung und wichtiges Werkzeug in der Debatte um die Wiederzulassung von Glyphosat!

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Gift in Tampons und Kleidung – Glyphosat in Baumwollprodukten gefunden

– 14. November –

Bildschirmfoto 2015-11-14 um 12.08.47In Argentinien – wo viele Forscher schon lange nicht mehr an der krebserregenden Wirkung von Glyphosat zweifeln – wurden Rückstände des Herbizids nun in 85 Prozent der untersuchten Baumwollprodukte gefunden.

Zu dem beunruhigenden taz-Artikel geht es hier.

EFSA bewertet Glyphosat als nicht krebserregend

– 13. November –

image-1447248004Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet das Herbizid Glyphosat als nicht krebserregend. Die EFSA folgt mit ihrer Entscheidung nicht der Bewertung der Krebsforschungsagentur der WHO, die Glyphosat als »wahrscheinlich krebserregend« eingestuft hatte, sondern der unter scharfe Kritik geratenen Position des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). PAN Germany hatte dessen Bewertung in einer gestern veröffentlichten detaillierten Analyse kritisiert und zeigt sich sehr empört über die heutige Entscheidung der EFSA.

Die EFSA erklärt die unterschiedliche Bewertung von Glyphosat durch WHO und EU damit, dass die EU-Bewertung nur den reinen Wirkstoff berücksichtigt, die WHO hingegen auch Pestizid-Formulierungen. Die EFSA kommt zu dem Schluss, reines Glyphosat sei nicht als krebserregend einzustufen. Für glyphosathaltige Spritzmittel gibt sie jedoch keine Entwarnung und verweist auf Studien, die gezeigt hätten, dass bestimmte Glyphosat-basierte Formulierungen genotoxisch seien und somit das Erbgut schädigen könnten. Doch statt eine EU-weite Nicht-Genehmigung von Glyphosat zu empfehlen, soll es nun den Zulassungsbehörden der Mitgliedstaaten überlassen bleiben, bei der Zulassungsprüfung jedes einzelnen glyphosathaltigen Pestizid-Produktes das genotoxische Potenzial eingehender zu bewerten und entsprechend zu entscheiden.

»Auf unsere Äcker werden keine reinen Wirkstoffe, sondern formulierte Pestizidprodukte ausgebracht. Und genau für solche Formulierungen bestätigte die EFSA mögliche erbgutschädigende bzw. krebsauslösende Effekte. Das ist erschreckend. Die EU sollte endlich im Sinne der Vorsorge handeln und Glyphosat verbieten, statt den schwarzen Peter nun weiter auf die Mitgliedsstaaten zu schieben«, kritisiert Agrarexpertin Susan Haffmans vom Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany).

(Quelle: PAN Germany)

Berichte von taz und Süddeutsche Zeitung (letzterer zahlungspflichtig).

Glyphosat: Dementiert auch EFSA die kanzerogene Wirkung?

– 11. November –

image-1447248004Morgen veröffentlicht die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ihre Empfehlung bezügliche der weiteren Genehmigung des Herbizidwirkstoffs Glyphosat. Die Aussage der EFSA wird sich dabei auf die Eischätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) stützen, das trotz erdrückender Beweislage Glyphosat nicht als karzinogen bewertet. Dabei führen die vom BfR präsentierten Daten unabweislichen zu der Schlussfolgerung, dass eine Einstufung von Glyphosat als »wahrscheinlich beim Menschen karzinogen« (EU Kategorie 1B) notwendig ist. Eine Übernahme dieser falschen Einschätzung durch die EFSA wäre ein Skandal. Das Pestizid Aktions-Netzwerk PAN Germany dokumentiert die »erdrückende Beweislage« in einer Analyse des vom BfR Ende August erstellten Addendums zum behördlichen Bewertungsbericht.

Die Klassifizierung als »wahrscheinlich beim Menschen karzinogen« hängt laut den Kriterien der Krebsforschungsagentur IARC der WHO, die auch den Maßstab in der EU-Gesetzgebung bilden, vor allem davon ab, ob es »ausreichend Beweise« aus Krebsstudien an Versuchstieren gibt. In ihrer eigenen Bewertung kommt die IARC zu der Einschätzung, dass diese ausreichenden Beweise vorliegen. Das BfR überprüfte daraufhin seine bisherige Bewertung in einer Ergänzung (Addendum) zu seinem Bewertungsbericht. Hierin zeigt die deutsche Behörde, dass es in fünf Studien an Mäusen und zwei an Ratten zu einem signifikanten Anstieg der Tumorhäufigkeit bei Glyphosat-exponierten Tieren kam.

Doch trotz dieser neuen Beweislage blieb das BfR bei seiner ursprünglichen Schlussfolgerung, dass für Glyphosat keine Gefahrenklassifizierung als karzinogen notwendig sei. Das BfR argumentiert, dass der in den Studien ermittelte signifikante Anstieg der Tumorhäufigkeit nicht von Belang sei, weil dieser Anstieg keine »biologische Relevanz« habe.

»Die Argumentation des BfR, verstößt eindeutig gegen die gültigen Leitlinien der OECD und die Vorgaben der EU«, sagt Dr. Peter Clausing vom PAN. »Wir sehen hierin den verzweifelten Versuch, eine Klassifizierung von Glyphosat als karzinogen unter allen Umständen und trotz erdrückender Beweislage zu verhindern«, so der Toxikologe.

(Quelle: Pan Germany)

EU-Bericht: Agrarindustrie trifft deutliche Schuld am fortschreitenden Artensterben

– 9. November –

Der kürzlich veröffentliche Halbzeitbericht zur EU-Biodiversitätsstrategie bis 2020 zieht eine erschreckende Bilanz: Das Artensterben geht unverändert weiter. Die intensive, industrialisierte Landwirtschaft betrachtet der Bericht dabei weiterhin als eine der größten Bedrohungen für die biologische Vielfalt.

agrarwüsteÖkologisch nachhaltig bewirtschaftete Flächen und Produktionsweisen werden zunehmend durch Massentierhaltung, Intensivanbau, und Monokulturen ersetzt. Der daraus resultierende Verlust von fruchtbarem Boden, Streuobstwiesen und Weiden hat extreme ökologische Auswirkungen auf unseren Planeten und die Welternährung. »Die Populationen einiger gängiger Vogelarten scheinen sich zwar wieder zu stabilisieren, aber andere Arten, die in Verbindung mit landwirtschaftlichen, oder Frisch- und Salzwasser-Ökosystemen stehen, sind weiterhin im Verfall; 70 Prozent der europäischen Arten sind gefährdet durch Habitatverlust«, beklagt der EU-Bericht auf Seite 3.

Der BUND fordert deshalb ein rasches Umlenken in der Agrarpolitik und den Abbau umweltschädlicher Subventionen.

Und wir von der Kampagne »Ackergifte? Nein danke!« fordern aus gutem Grund das Verbot aller nicht-biologischen Pestizide! Anders wird das Artensterben in unseren Agrarlandschaften nicht aufzuhalten sein.

Neue TV-Doku über die Langzeitfolgen von Glyphosat

– 4. November –
Am Montagabend war im WDR eine tolle dreiviertelstündige Sendung über Glyphosat zu sehen, die mehr Enthüllungen birgt als die momentan überall gedruckten und gesendeten Beiträge über den Streit zwischen WHO und BfR. (Hier ein dennoch sehr empfehlenswerter Artikel aus der taz.)

»Gift im Acker – Glyphosat, die unterschätzte Gefahr?« zeigt unter anderem, dass konventionelle Landwirte, die den Stoff anwenden bzw. glyphosathaltiges Futter verwenden, in vielen Fällen mit Negativfolgen zu kämpfen haben. So lagere sich Glyphosat etwa auf langjährig gespritzten Feldern deutlich an. Das hat offenbar unter anderem Auswirkungen auf das Feinwurzelsystem von Kulturpflanzen sowie auf deren Hormonhaushalt; geringeres Wachstum sind die Folgen.
Noch eindrücklicher sind die in der Doku folgenden Sequenzen mit Tierzüchtern. Den Anfang macht hier ein dänischer Schweinezüchter (intensive Massenhaltung), der überzeugt ist: Mit Zunahme der Glyphosatrückstände im Futter geht eine geringere Fertilität seiner Mastsauen sowie eine Zunahme von Fehl- Miss- und Totgeburten bei den Ferkeln einher. (Achtung: Die tiefgefrorenen Ferkel-Missgeburten, die der Mann aus seiner Kühltruhe fischt, sind nichts für empfindliche Gemüter.) Ausserdem hat er beobachtet, dass belastetes Futter von den Tieren weniger gut angenommen wird, und sie bekommen auch Durchfall davon. Das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR beschwichtigt und stellt den Fall des dänischen Züchters als Einzelfall dar, doch das WDR-Magazin sagt, dass hunderte Milchbauern ähnliche Symptome feststellen. Gezeigt wird ein Allgäuer Betrieb, der die Probleme mit unfruchtbaren Kühen überwand, nachdem er auf weitgehend glyphosatfreies Kraftfutter umstellte.
Bildschirmfoto 2015-11-04 um 20.44.27Dann geht es weiter in die USA, wo ein kritischer Tierarzt offenbart, was die US-Bundesbehörde CDC herausgefunden hat. Eine zunehmende Unfruchtbarkeit wird nämlich auch bei Menschen beobachtet, und wie bei den Farmtieren nehmen die Fälle von Glyphosatrückständen in der Nahrung zu. Das muss noch nicht unbedingt auf einen Zusammenhang hindeuten – doch die Kurven die dann gezeigt werden, machen schon sehr nachdenklich: Die Gesundheitsstatistik weist nämlich ziemlich parallel zur Kurve des wachsenden Glyphosatgebrauchs entsprechend ansteigende Kurven der Fälle von Unfruchtbarkeit, Fettsucht (obesity), Krankheiten des Verdauungssystems (bowel disease), Schilddrüsenkrebs (thyroid cancer), Nierenleiden (renal diseases), Hirnschlag (stroke) und Diabetes auf. Kommentar der Doku zu der Grafik: »Aber von der amerikanischen Regierung wird nicht nach einem Zusammenhang gesucht.«
Weitere Enthüllungen betreffen u.a. das vermehrte Aufkommen von giftigen Fusariumpilzen an glyphosatgeschädigten Kulturpflanzen oder die Tatsache, dass etliche der Beistoffe von Glyphosat und anderen Ackergiften tausendmal (!) giftiger sind als der eigentliche Wirkstoff und bereits in sehr niedriger Dosierung wirken; die Beistoffe hätten hormonelle Wirkungen, die etwa Brustkrebs bewirken können.
Die Sendung »Gift im Acker – Glyphosat, die unterschätzte Gefahr?« kann in der WDR-Mediathek angesehen werden. Der Link oben führt zu einer Youtube-Version.

Das BfR räumt endlich Versäumnisse ein – und bleibt doch bei seinem Standpunkt

– 29. Oktober –

Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt in seinem Abschlussbericht an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA zu, deutliche Hinweise auf die Kanzerogenität von Glyphosat in fast allen relevanten Tierversuchs-Studien übersehen zu haben. Dennoch stehe dies einer Verlängerung der Zulasssung nicht entgegen, behauptet die Behörde dreist. Das Ackergift sei bei richtiger Anwendung für den Menschen ungefährlich.

Bildschirmfoto 2015-10-29 um 19.19.46Insgesamt gibt es sieben Glyphosat-Langzeitexperimente an Ratten und fünf an Mäusen, die von Wissenschaftlern als aussagekräftig angesehen werden. Ausgerechnet in den Studien an Mäusen hat die deutsche Risikobewertungs-Behörde nun endlich deutliche Hinweise auf eine krebserregende Wirkung bei Tieren erkannt – nachdem sie diese Studien früher größtenteils anders bewertet hatte.

In dem neuen Bericht des BfR, den das ARD-Magazin »Fakt« vorab auf seiner Internetseite veröffentlicht hat, räumt das Amt ein, dass sich in allen fünf ausgewerteten Langzeitstudien an Mäusen signifikante Steigerungen verschiedener Tumorarten zeigten: Lymphdrüsenkrebs, Nierentumore sowie Krebs der Blutgefäße. Diese zwischen 1983 und 2009 erstellten Studien  hat das BfR in seine Glyphosat-Bewertungen einbezogen. In einer ersten Version des Risikoberichts vom 18. Dezember 2013 hatte die Behörde seltsamerweises nur in einer Studie auffällige Häufungen von Lymphdrüsenkrebs gefunden. Diese Studie stufte die Behörde als nicht relevant ein, weil die vier anderen Studien keine Effekte gezeigt hätten.

Die Süddeutsche Zeitung fragt in ihrem Artikel: »Wie kann es sein, dass solch wichtige Tatsachen übersehen wurden?« Und weiter: »Kritiker vermuten schon lange, dass sich die deutschen Aufseher, die bereits Ende der Neunzigerjahre die EU-Erstbewertung des Stoffs übernahmen, zu sehr auf Informationen der Hersteller verlassen haben. Offenbar zu Recht. Denn als Begründung, warum die Krebsforscher der WHO eine Reihe signifikanter Tumorhäufungen feststellten, das BfR aber nicht, schreibt die Behörde, sie habe sich anfangs auf die statistischen Auswertungen der Studienreporte verlassen – also auf die Angaben der Industrie. Und diese Reporte der Industrie hätten einen von den Krebsforschern der WHO angewendeten statistischen Test, einen sogenannten Trendtest, nicht verwendet.«

Trendtests gehören zum Standard bei der Beurteilung von Tierversuchen zu Krebs. Sie geben Auskunft darüber, ob die Effekte über alle Tiergruppen hinweg mit der Dosis ansteigen, also ob ein signifikanter Trend erkennbar ist. Der Toxikologe Peter Clausing, der für das pestizidkritische Netzwerk PAN arbeitet, meint zu diesem Versäumnis in den von der agrochemischen Industrie selbst durchgeführten Studien: »Der Trendtest ist der von der OECD vorgegebene Standard zur Auswertung von Karzinogenitätsstudien. Ich kann nicht verstehen, warum das BfR diesen Standard nicht anwendet und sich damit zufriedengibt, was die Industrie ihr präsentiert.»

Die OECD-Richtlinie zur Durchführung von Krebsstudien an Tieren hebt genau diesen von der WHO angewendeten Trendtest besonders hervor …

(Für weitere Ackergifte-Meldungen siehe auch den Haupt-Blog unserer Kampagne.)

So wird der Urin korrekt erhitzt

– 16. Oktober –

Im Lauf der letzten Aktionswochen der Urinale kamen mehrfach Menschen auf uns zu, die berichteten, dass der Urin im Röhrchen bei der Abkochung fast vollständig verdampft sei. Das wunderte uns sehr, zumal es sich um Proberöhrchen vom Labor handelt, und so vermuteten wir vereinzelte Produktionsfehler.

Tatsächlich stellte sich jetzt heraus, dass die Abkochung zu gut (also: falsch) durchgeführt wurde; womöglich war die Anleitung auf dem Fragebogen des Labors missverständlich formuliert. Das zur Hälfte mit Morgenurin befüllte Röhrchen darf NICHT 10 Minuten lang gekocht werden, sondern soll 10 Minuten in Wasser liegen, das soeben gekocht hat und von der Platte genommen wurde!

Richtige Vorgehensweise zur Sterilisierung und Haltbarmachung der Urinprobe:

  1. Füllen Sie das Proberöhrchen zur Hälfte mit Ihrem Morgenurin (Mittelstrahl).
  2. Verschließen Sie das Röhrchen mit dem Schraubdeckel.
  3. Bringen Sie in einen Topf etwas Wasser zum Kochen und nehmen Sie diesen von der Herdplatte, wenn das Wasser kocht.
  4. Legen Sie dann das verschlossene Röhrchen für 10 Minuten in das abgekochte Wasser.

Gutes Gelingen!

Wir bitten, eventuell durch missverständliche Formulierung entstandene Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.

Greifswald pinkelt!

– 11. Oktober –

Letztes Wochenende gab es spontan noch in Greifswald die Möglichkeit, Urinprobensets einzustecken. Bei einem Wohnzimmerkonzert in der Hansestadt wurde fluchs ein kleiner Hinkucker aufgestellt, der Menschen dazu einlud, sich an der Aktion zu beteiligen.

urinale Greifswald

München: Urin an- bzw. abgezapft!

– 13. Oktober –
Angezapft
»O’zapft is!« (Hochdeutsch: »Es ist angezapft!«) ist bekanntlich der traditionelle Ausruf des Münchener Bürgermeisters nach dem Anstechen des ersten Bierfasses auf dem Oktoberfest. Ob den Teilnehmer_innen der Urinale-Veranstaltung im Münchener Gemeinschaftsgartens »O’pflanzt is!« wohl dieser passende Kalauer eingefallen ist? Die Urinale haben die Urban-Gärtner_innen mit ihrem Erntedankfest zusammengelegt; und der Gartenverein hatte beschlossen, sieben Teilnehmer_innen die Kosten für die Urinuntersuchung zu sponsern. Weitere Bilder auf der Facebook-Seite von O’pflanzt is …

Kleine Presseschau

– 13. Oktober –

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Nå er flere aksjoner på gang for å få EU til å si nei til glyfosat. Den mest folkelige tyske er «Urinale 2015». På steder rundt i landet får folk testet urinen for glyfosatrester. Det vil gi nyttige data, samtidig som det er en mulighet til å aksjonere. Pissing som protest. Det er kommet krav om avgift på sprøytemidler for å kompensere skadene samfunnet blir påført.

Das ist nicht der Bericht von der Urinale im Emsland, sondern Teil eines Artikels über europäischen Ackergifte-Widerstand aus einer norwegischen Zeitung, geschrieben von der Journalistin Kari Gaasvatn. Den Bericht über die Urinale an Kristian Lampens Hof Emsauen gibt es hier. Die Osnabrücker Zeitung hatte bereits im Vorfeld über die Aktion aufgeklärt: »Pipi-Party in Rhede«

EMS-Zeitung_Dirk Hellmer                                                                                                          Foto: Ems-Zeitung/Dirk Hellmers

Ackergifte-Hersteller investierten 100 Mio. Dollar in Lügenkampagne

– 9. Oktober –

GeldkofferAuf der Website von »Project Censored« werden solche Nachrichten gesammelt, die es trotz aller Relevanz aus irgendwelchen Gründen nicht in die Schlagzeilen schaffen. Aktuell nennen die Macher dieser Seite auch die kaum bekannte Tatsache, dass die Agro-Chemie-Giganten sehr viel Geld ausgegeben haben, um die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass das Bienensterben rein gar nichts mit ihren Produkten zu tun habe.

Nachdem ab dem Frühjahr 2014 mehrere wissenschaftliche Studien in den USA die große Gefährlichkeit zweier vielgenutzter Neonikotinoide (Insektizide) für Honigbienen-Völker herausgestellt hatten, begannen die großen Hersteller dieser Ackergifte demnach eine riesige PR-Kampagne. Auf ProjectCensored.com heißt es, dass diese in vielerlei Hinsicht jener Kampagne der Tabak-Lobby glich, bei der jahrzehntelang sämtliche Hinweise auf die Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens abgestritten wurden.
Bayer, Syngenta und Monsanto war die »wissenschaftliche« Leugnung der Bienengefährlichkeit ihrer Neonikotinoide offenbar mehr als 100 Mio. Dollar wert …

Zu den Neonikotinoiden gibt es momentan auch wieder eine wichtige Petition
Die Aktionsplattform SumOfUs.org schreibt: »Zuerst die gute Nachricht: Mit einem wegweisenden Urteil hat ein US-Gericht gerade die Bienen vor einem Massensterben gerettet. Es hatte festgestellt, dass das bienengefährdende Pestizid Sulfoxaflor niemals hätte zugelassen werden dürfen. Das Nervengift wird vom Chemieriesen Dow Chemical produziert.

Und jetzt die schlechte Nachricht: Genau dieses Gift hat die EU in diesem Sommer zugelassen. Und wissen Sie auf welcher Grundlage? Auf der Grundlage, dass Dow Chemical die Unbedenklichkeit seines Produktes nachweist – also nicht etwa ein unabhängiges Forschungsinstitut, sondern genau der Konzern, der mit seinem neuen Produkt den europäischen Markt erobern will!

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit kam zu der Einschätzung, dass Neonikotinoide eindeutig schädlich sind – doch die EU-Kommission verlässt sich lieber auf die Angaben des Hersteller-Konzerns. Diesen Wahnsinn müssen wir stoppen, bevor es zu spät ist!«

Die Petition an die EU-Kommission kann man hier unterzeichnen.

Impressionen aus dem Berliner Prinzessinnengarten und aus Neubrandenburg

– 8. Oktober –

Svenja Nette hat in dem bekannten Berliner Gemeinschaftsgarten »Prinzessinnengarten« eine Urinale-Veranstaltung organisiert. Hier ihr Fazit: »Es war schön, aber leider nicht besonders gut besucht. Alle 50 Protest-Kits sind weggegangen und etwa die Hälfte der Labor-Kits. Utes Scheubs einführende Rede war schön, und die Leute, die da waren, waren auch sehr interessiert. Also, es war schon gut – aber da greift dann eben manchmal die Berlin-Dynamik: obwohl 100 Leute ihr Kommen ankündigen, waren bei Eröffnung dann vielleicht 20 da. Wir haben noch über den Tag relativ viel Laufpublikum bekommen und somit auch Leute ansprechen können, die sich vorher noch gar nicht dafür sonderlich interessiert haben – das hatte dann auch was Gutes. Ich werd selbst auch noch ein Labor-Kit einschicken, auf das Ergebnis bin ich gespannt.«
Malte Cegiolka war mit seiner Kamera vor Ort und hat ein nettes kleines Filmchen produziert:

Elias Gottstein aus Wulkenzin bei Neubrandenburg erzählt von der dortigen Veranstaltung: »Am 4.10. gab es in Wulkenzin zur Urinale ein volles Programm. Für etwa 15 Interessierte spielte ein Quintett aus der Neubrandenburger Philharmonie Volksmusik aus Griechenland, Kuba und Argentinien. Das vom Veranstalter Andreas Wiebecke-Gottstein komponierte Stück „Ackergifte? Nein Danke!“ zum Video der gleichnamigen Kampagne wurde uraufgeführt und gleich noch mal für das begeisterte Publikum als Zugabe gespielt.
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Nach einer kleinen Pause mit überwiegend veganen Snacks wurde der Film „Tote Tiere, kranke Menschen“ von Andreas Rummel gezeigt. Im Anschluss entstand eine kleine Gesprächsrunde. Die Möglichkeit, nicht passiv zu bleiben, sondern zur Tat zu schreiten – Urin für die statistische Erhebung zu spenden – machte die Veranstaltung für viele Teilnehmer*innen zu einem runden Ereignis.«

Urinale am Kaiserstuhl erfolgreich gestartet

– 7. Oktober –

Zur vom »Aktionsbündnis Kaiserstuhl zur Vermeidung von Glyphosat« organisierten Urinale-Auftaktveranstaltung kamen in dem Qualitäts-Weinbaugebiet bei traumhaft schönem Herbstwetter 25 interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Ihringen und der näheren Umgebung in das Gehöft der Familie Breisacher. Hans Gugel schrieb uns: »Die meisten der aktiven TeilnehmerInnen an der Urinale wählten die Analyse aus Leipzig [und nicht die Proben-Verschickung an den Bundeslandwirtschaftsminister]. Die übrig gebliebenen Testbeutel versuche ich jetzt in den nächsten Tagen an meine Kunden in meiner Praxis und in der Ganzheitlichen Rückenschule auszugeben.«
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Dass nicht noch mehr Leute zur Urinale erschienen, führt Hans Gugel auf das schöne Wetter sowie auf die Tatsache zurück, dass in der von Weinbau und anderen intensiven Kulturen geprägten Kaiserstuhl-Region »natürlich« noch viele Ackergifte verwendet würden: »Dieser Personenkreis kann meinen und unseren Aktivitäten natürlich kein Augenmerk schenken …«

Das unzuständige Ministerium?

– 6. Oktober –

Derzeit senden besorgte Bürgerinnen und Bürger Urinproben ans Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), verbunden mit der Bitte, diese auf Rückstände des Ackergifts Glyphosat zu untersuchen. Der begründete Verdacht dieser Menschen ist, dass sie Glyphosat über ihre Nahrung aufgenommen haben könnten. Nun haben wir festgestellt, dass diese Proben auf höchst ungewöhnliche Weise vom Ministerium »bearbeitet« werden: Sie werden mit einem Etikett versehen, dass die Sendung nicht das BMEL betreffe, und postwendend zurückgesandt. Auf dem Anschreiben an den Bundeslandwirtschaftsminister findet sich dann ein handschriftlicher Vermerk, dass die »ordnungsgemäße Behandlung« der Probe nicht möglich gewesen sei!

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Erstaunt fragen wir uns: Wer, wenn nicht der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft und das ihm unterstehende Ministerium, sollte dafür zuständig sein, besorgten Bürgerinnen und Bürgern Auskunft über die Belastung mit einem in der Landwirtschaft eingesetzten Ackergift, das über die Nahrung aufgenommen worden sein könnte, Auskunft zu erteilen?

Wir schlagen deshalb vor, dass Betroffene die zurückgesandte Urinprobe erneut an das BMEL einsenden und eine formal korrekte Auskunft bzw. die Weiterleitung der Probe an die zuständige Stelle einfordern. Als Formulierungshilfe kann dieser Vordruck heruntergeladen werden. So können Sie Ihre Nachfrage ans BMEL richten:

  1. Besorgen Sie sich einen geeigneten Luftpolsterumschlag, oder entfernen Sie Adressaufkleber und Frankierung von dem alten, um Verpackungsmüll zu vermeiden.
  2. Geben Sie die Karte und die Urinprobe Ihrer ursprünglichen Sendung in den neuen Umschlag und legen Sie einen mit Absender, Datum und Unterschrift versehenen Brief an Bundesminister Christian Schmid bei (dazu können Sie zum Beispiel den über diese Seite herunterladbaren Vordruck verwenden).
  3. Adressieren Sie den Umschlag ans BMEL.
  4. Vermerken Sie auf dem Umschlag »Freigestellte medizinische Probe«.
  5. Frankieren Sie den Umschlag mit 2,40 Euro.
  6. Senden Sie den adressierten und frankierten Umschlag ans BMEL.
  7. Drücken Sie auf Ihre persönliche Weise an geeignet erscheinenden Stellen Ihr Erstaunen darüber aus, dass das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft BMEL Ihre Sorge darüber, mit einem in der Landwirtschaft eingesetzten Pflanzengift belastet zu sein, das mit der Ernährung in Ihren Körper gelangt sein könnte, nicht ernstnimmt.
  8. Informieren Sie uns über den weiteren Verlauf Ihrer Korrespondenz mit dem BMEL.

Christiane van Schie berichtet vom Erntedank-Tag in Stralsund

– 4. Oktober –

Als ich von der Urinale erfuhr, war für mich klar, dass ich die Kampagne mit einer Aktion unterstützen will. Dann erfuhr ich, dass auf dem Erntedank-Tag in Stralsund unter anderem auch eine Spritzmaschine für Ackergifte ausgestellt werden sollte. Das hat mich bewogen, mit dem BUND Stralsund kurzfristig den Antrag für einen Informationsstand zu stellen. Zusammen mit einer Aktivistin des BUND habe ich diesen Stand betreut. Die anwesenden Großbauern fühlten sich bald von dem Begriff »Ackergift« provoziert, und wir wurden aufgefordert, unsere Plakate mit der Aufschrift »Ackergifte im Körper? – Labortest möglich!« zu entfernen.
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Statt die Plakate abzunehmen, haben wir zu einem persönlichen Gespräch eingeladen, was von zwei Landwirten angenommen wurde. Am Ende eines langen informativen Gespräches, blieben unsere Plakate mit dem Einverständnis der Großbauern hängen. Die Urinale wurde von den Besuchern des Erntedank-Tages mit viel Interesse angenommen, am Abend waren mehr als 80 Umschläge mit Laborproben verteilt. Möge diese Kampagne mit einer wissenschaftlichen Studie ein schnellstmögliches Verbot von Glyphosat und allen anderen Ackergiften unterstützen!

Toxikologin: „Diese Studie dürfte das Ende von Glyphosat besiegeln“

– 28. September –

Eine Ende August veröffentlichte Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams offenbart, dass Glyphosat bereits in Konzentrationen, die 100 000-fach geringer sind als der vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlene Grenzwert für die zulässige tägliche Aufnahmemenge des Mittels, toxisch wirkt.

Die Forscher hatten Leber- und Nierenzellen von Ratten untersucht, die zwei Jahre lang Roundup in niedrigsten Dosierungen – 4 Nanogramm pro Kilo Körpergewicht – im Trinkwasser erhielten. Die Toxikologin Dr. Anita Schwaier hält die Studie für bahnbrechend, weil ein neuer, besonders problematischer Wirkmechanismus erkannt worden sei. „Glyphosat bewirkt Störungen bei der Ablesung des Erbguts, sogenannte epigenetische Veränderungen, die nicht reversibel sind und auf nachfolgende Generationen übertragen werden können. Dieser Wirkungsmechanismus ist eine Erklärung für die Vielzahl der Erkrankungen, die beim Menschen beschrieben wurden, einschließlich Missbildungen und Krebs“, erklärt Schwaier, die die Studie des internationalen Wissenschaftlerteams ausgewertet hat. Das Fazit der Toxikologin: „Diese Studie dürfte das Ende von Glyphosat zumindest in Europa besiegeln“.  Schwaier
Schwaier zufolge beweist die Studie, dass Glyphosat zur Gruppe der endokrinen Disruptoren, den hormonartig wirkenden Substanzen gehört, deren Verbot nach EU-Recht jetzt bevorsteht. So wurden in der Studie bei den Versuchstieren auch Veränderungen im Hormonspiegel, unter anderem bei den für die Fortpflanzung wichtigen Hormonen Testosteron und Östradiol, registriert. Außerdem traten Veränderungen von Leber- und Nierenzellen sowie Funktionsstörungen dieser Organe auf. Schwaier weist die Vermutung des Bundesinstituts für Risikobewertung, dass möglicherweise nicht Glyphosat, sondern Beistoffe des Pestizids Roundup die toxischen Wirkungen ausgelöst haben könnten, zurück. „Eine Eigenwirkung der Hilfsstoffe auf das epigenetische System ist sehr unwahrscheinlich“, so Schwaier.

Aufgrund der Einstufung der internationalen Krebsforschungsagentur, wonach ›wahrscheinlich krebserregend‹ sei, ist ein Glyphosatverbot aus Sicht vieler Experten zwingend notwendig. Ein Bündnis von 12 Nichtregierungsorganisationen richtet darüber hinaus in einem heute veröffentlichten Positionspapier umfassende Forderungen an die Bundesregierung. Sie rufen dazu auf, die Bevölkerung durch ein Bündel an Maßnahmen besser vor Glyphosat und anderen Pestiziden zu schützen. „Der Fall Glyphosat offenbart grundlegende Defizite im System der Zulassung und Anwendung von Pestiziden. Wir fordern tiefgreifende Reformen des Zulassungssystems und eine verstärkte politische Förderung nicht-chemischer Pflanzenschutzverfahren“, erläutert Sievers-Langer, die Koordinatorin der gemeinsamen Verbändepositionierung.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung der NGOs Agrar Koordination, Slow Food Deutschland sowie »Ackergifte? Nein danke!«

Update: Ein Beitrag in der Süddeutschen Zeitung versucht heute herauszufinden, warum BfR und die Krebsforschungsagentur der WHO bei ähnlicher Datenlage zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. In dem Artikel wird auch der oben erwähnte Erklärungsversuch des BfR-Präsidenten Andreas Henkel zitiert, sein Institut habe ja nicht die Beistoffe in den Pestiziden untersucht, sondern den Wirkstoff Glyphosat selbst.

Rotenburg pinkelte gegen Glyphosat

– 25. September –

Kathrin Peters berichtet von der Urinale auf Hof Grafel

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Innerhalb von anderthalb Stunden ist die Kiste mit den 50 Testsets an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft leer. Ob wir noch mehr Umschläge hätten? – Leider nein, mit so vielen Menschen haben wir anlässlich der Urinale auf Hof Grafel nicht gerechnet.

fotos - dieleDie geräumige Diele des alten Bauernhauses ist voller Gäste. Am Infotisch sprechen wir über die Auswirkungen von Glyphosat, in der Leseecke haben es sich ein paar Leute mit Büchern über Bodenfruchtbarkeit und nachhaltige Landwirtschaft bequem gemacht, und im Hof spielen die Kinder. Von jung bis sehr alt, alle sind an diesem Sonntagnachmittag, 20. September, zusammengekommen, um sich mit dem Thema Glyphosat auseinanderzusetzten.

Auch fürs Labor wird gepinkelt. Die einen wollen ihre persönlichen Werte erfahren, die anderen Teil der wissenschaftlichen Studien werden. Manche treiben auch beide Motive an, den nächsten Morgenurin zu spenden.

fotos - mulchgartenNach einer Hofführung und einem warmen Abendessen frisch vom Feld geht es inhaltlich in die Tiefe: In einem Film, der über Glyphosat aufklärt, sehen wir die drastischen Folgen des Pestizideinsatzes. Wie kann es sein, dass dieses Gift immer noch zugelassen ist, fragt man sich beim Zusehen!

Es ist spät geworden. Mit einem gemütlichen Austausch in einer mittlerweile noch 15-köpfigen Runde und viel Zuspruch für die Urinale auf Hof Grafel beschließen wir den Abend. Wir sind sehr froh: über das runde Programm,  die schöne Stimmung und das Interesse der Rotenburger*innen.

fotos - essenMittlerweile gibt es Überlegungen, eine „Dauer-Urinale“ über drei Wochen auf Hof Grafel im Oktober einzurichten. Mal sehen was daraus wird …

Gut oder schlecht?

–  23. September –

Am 18. September haben wir hier geschrieben, dass die von der EU beschlossene Aufschiebung des Glyphosat-Neuzulassungsverfahrens um sechs Monate vielleicht nicht schlecht ist, weil auf diese Weise das Ergebnis der Urinale-Auswertung in das Verfahren einfließen kann.

Die Onlinepetitions-Plattform SumOfUs.org sieht das etwas anders. Sie hat wegen der vorläufigen Zulassungsverlängerung nun eine Aktion gestartet, bei der man die zuständigen Behörden auffordern kann, das weltweit meistverwendete Ackergift lieber gleich zu verbieten.

So kann man das natürlich auch sehen; Hinweise, die für ein Verbot sprechen, gibt es schließlich schon mehr als genug. Es gibt letztlich keinen Widerspruch zwischen unseren Positionen. Also: alle unterschreiben!

Dürfen auch Geringverdiener gegen Glyphosat pinkeln?

– 19. September –

Der Kostendeckungsbetrag in Höhe von immerhin 45 Euro für die Analyse der eigenen Urinprobe mag etwa für junge Leute, die das Anliegen der Kampagne eigentlich gerne unterstützen wollen (und/oder schlicht ihre eigenen Werte erfahren wollen), kaum finanzierbar sein. Was tun?

Wir möchten vorschlagen, dass ihr euch z.B. in euerer Wohngemeinschaft, Familie, Clique oder regionalen Umweltgruppe zusammentut, um gemeinsam die Kosten für eine Probe aufzubringen. Der oder die glückliche Pinkle-ProbandIn aus der Gruppe wird dann durch Flaschendrehen auserkoren.

Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit für Geringverdiener: Geht auf eine Pinkelparty (Termine hier), befüllt eine Probe und fragt dann höflich beim Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung an, ob diese für die Volksgesundheit mitverantwortliche Behörde nicht bereit ist, die Kosten für die Analyse zu übernehmen. Unsere Partner, die die örtlichen Veranstaltungen durchführen, können euch sagen, wie’s geht …

Neues zur (Neu-)Zulassung von Glyphosat in der EU und den USA

Im Hauptquartier brummts

–  17. September  –

Schon in den letzten Tagen konnten wir uns hier im Urinale-Headquarter über immer neue Urin-Testset-Bestellungen freuen – und mit dem heutigen Tag hat sich der Ansturm auf die Sets noch einmal so schlagartig und drastisch verstärkt, dass uns die Köpfe rauchen. Wir kommen mit dem Versand kaum hinterher. Während ich dies schreibe, bringt der Paketdienst drei neue Kartons mit Röhrchen …

Der Grund für den aktuellen Boom ist in dem Newsletter zu finden, den das Umweltinstitut München heute an viele Tausend Interessierte verschickt hat und in dem es zur Teilnahme an der Urinale aufruft. Seitdem melden sich ständig neue Menschen, um ein oder mehrere Testsets bei uns zu bestellen. Und auch der DrachenVerlag, bei dem Ute Scheubs Kampagnen-begleitendes Buch »Ackergifte? Nein danke! Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft« (2. Auflage) erschienen ist, meldet eine plötzliche Nachfrage-Schwemme. Ausserdem wird die Urinale in den Netzwerken immer bekannter; laut dieser Seite gehört der Hashtag #urinale zu den aktuellen Twitter-Trends.

Schön, wenn sich die Mühe der Vorbereitungsphase nun mit so großem Interesse »bezahlt« macht – auch wenn diese Resonanz nun erst einmal neue Arbeit bedeutet!
A propos »bezahlt«: Die Aufmerksamkeit schlägt sich tatsächlich auch in ersten Spenden-Eingängen nieder. Auch hierfür sagen wir herzlichen Dank!
Leute, habt viel Freude bei der Probennahme! Gemeinsam werden wir Fakten pinkeln und auch auf diese Weise dazu beitragen, dass eines der am weitesten verbreiteten Ackergifte verboten wird. Wer sich darüber hinaus noch in der Sache engagieren möchte, kann unter diesem Link auch gegen die drohende Neuzulassung von Glyphosat unterschreiben.

Die ersten Urinprobensets sind auf dem Weg!

–  15. September  –

Bei Sonnenschein und 25 °C wurde letzten Samstag beim Hoffest der solidarischen Landwirtschaftsinitiative »deinHof« in Radebeul bei Dresden, die Urinale erstmals mit einem Infostand sichtbar. Milana Müller vom Umweltbildungshaus Johannishöhe und »Meine Landwirtschaft Sachsen« betreute diesen und sprach mit vielen interessierten Besucher*innen über das Thema und die Aktion. Dort wurden die ersten Urinprobensets an Menschen ausgehändigt, die sich an der Datenerhebung beteiligen wollen und auf diesem Weg auch ihre eigenen Glyphosatwerte erfahren können.

Darüber hinaus gehen bei uns täglich zahlreiche Bestellungen ein. Innerhalb von sieben Tagen wurden bereits 306 Urinprobensets bestellt, die später dem Labor eingesendet werden können! Ausserdem erreichen uns immer wieder Anfragen, ob es nicht noch weitere Veranstaltungsorte gäbe.

Daher auch an dieser Stelle ein Aufruf:

WENN ES NOCH MENSCHEN GIBT, DIE EINE URINALE BEI SICH SELBSTSTÄNDIG DURCHFÜHREN MÖCHTEN, MELDET EUCH GERNE UNTER info@landwende.de. Wir würden uns freuen, wenn wir auch in Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zu einer Urinale einladen können.

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Willkommen zur großen Pinkelparty!

–  8. September 2015 –

Nach einer langen Phase der Vorbereitung mit unendlich viel Kommunikation gehen wir heute an den Start und eröffnen die Urinale 2015, Deutschlands erstes großes »Piss-in«!

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Die Kampagne »Ackergifte? Nein, danke!« ruft mit dieser Aktion Bürgerinnen und Bürger auf, ihren Urin auf Rückstände des Pflanzengifts Glyphosat testen zu lassen. Dies soll der Debatte über die Gesundheitsgefährdung durch Glyphosat endlich eine wissenschaftlich stichhaltige Datenbasis bezüglich der Belastung der Bevölkerung mit Glyphosatrückständen verschaffen.

Zu Beginn gibt es dieses Wochenende eine Veranstaltung auf »deinHof«, einer Solidarischen Gemüsekoop in Dresden. Auf dem Hoffest wird Milana Müller vom Umweltbildungshaus Johannishöhe den Menschen das Anliegen der Urinale näherbringen. Dort werden auch die Urinprobensets ausgehändigt, mit denen man einfach und hygienisch einwandfrei Urinproben nehmen kann.

Mehr Infos zu den Veranstaltungsorten finden Sie unter Termine.

Der Zeitraum der Urinale erstreckt sich bis Ende Oktober. Das Interesse, selber einen Veranstaltungsort für die Urinale auszustatten, ist groß und die Liste noch nicht vollständig. Falls Sie trotzdem keinen Standort in Ihrer Nähe gefunden haben sollten, können Sie dennoch an der Aktion teilnehmen. Bestellen Sie einfach auf der Seite der Kampagne ein Urinprobenset zu sich nach Hause und folgen Sie der Anleitung auf dem Fragebogen des Labors.